Serien

Zeitgenössische Fotografie, fotografische Prozesse und konzeptionellen Serien.Neben der klassischen Fotografie arbeitet Petra Arnold in der Fotokunst an fotografischen Prozessen und konzeptionellen Serien.

Der Ausgangspunkt Ihrer Werke hat immer einen fotografischen oder gegebenenfalls auch videografischen Ursprung. Die Motive der Serie „Lilofee“ in ihrer eigentümlichen Retro-Ästhetik werfen Fragen auf. Bei den Arbeiten wurde über mehrere Medien eine Vielzahl verschiedener Schichten erstellt. Als Ausgang dienten die ursprünglichen Aufnahmen: Eine Serie von Frauen aus dem Rotlichtmilieu. Die Prostituierten zeigen viel Haut. Sie bleiben aber keine Objekte, sondern werden zu Persönlichkeiten. Über den Bildschirm eines Röhrenfernsehers und den analogen Rollflm wurden Schichten aufgetragen. In der Dunkelkammer wurden mit abgelaufenem Fotopapier, Chemikalien und selbsterstellten TV-Screen-Raster-Masken weitere Überlagerungen geschaffen. Die zahlreich übereinander belichteten Schichten über der Augen- und Kopfpartie der Frauen dienen letztlich als Schutzschicht der weiblichen Models.

Bei der Serie „Das Evakostüm steht ihr reizend“ handelt es sich um vorgefundene Pin-ups. Vergilbtes Papier in mehreren Schichten übereinander geklebt, die ursprüngliche Farbe nicht mehr erkennbar, bläulich und violett sind die Schwärzen, gelbliche und blassblaue Gestalten werden nach und nach erkannt. Die Frisur, die Posen der Frauen, ihre Körperformen sowie der Verfallszustand der etwas hochwertigeren Zeitschriften und des billigen Zeitungspapiers deuten auf die siebziger Jahre hin. Diese Bilder hängen schon lange. Ecken und Ränder lösen sich langsam von ihren Untergrund, kleine und große Risse greifen die gezeigten Frauengestalten an.

Über unzählige Vorgänge aus Video-Standbildern, Screenshots von 90er-Jahre-StripteaseDarbietungen über Fotokopien, Ausdrucke, photoelektrische Druckverfahren, Scans und Rasterfolien sowie weitere Fotobelichtungen ist die Serie „Cora“ entstanden. In verschiedenen Arbeitschritten wurde die Farbe reduziert und der Kontrast gestärkt, und es hat sich ein (Raster-)Abdruck über die Werke gelegt. So folgt auf die Kunst der erotischen Entkleidung ein anschließendes Verhüllen in künstlerischer Umsetzung.

Der Siebdruck-Serie „Lola, Jessie, Pamela“ liegen Pin-up-Fotografen aus Magazinen der 70er Jahre zu Grunde. Zuerst wurden den Vorlagen durch verschiedene Medien und Vorgänge mehrfach Rasterschichten hinzugefügt. Beim letztendlichen Druckverfahren wiederum wurden in ähnlicher Form Schichten in dennoch unterschiedlichen Farben und Umsetzungen aufgetragen. Jedes Mal ist dadurch ein eigenes Druckbild und Unikat entstanden.

Seit vielen Jahren arbeitet Petra Arnold mit dem Medium Polaroid, wobei sie bevorzugt abgelaufene Filme verwendet, um dem Aspekt des Unkontrollierbaren und Zufälligen noch mehr Raum zu verschaffen. Die besondere Faszination dieses Mediums liegt neben den weichen Kontrasten und diffundierenden Unschärfen in der Einmaligkeit des Augenblicks. Jedes Polaroid ist ein Einzelstück und so unwiederholbar wie jeglicher Moment. Die Fotokünstlerin nutzt die fast 70 Jahre alte Technik des Sofortbildes als ästhetische Ausdrucksform. Es entstehen erotische Stillleben sowie Portraits in Serien und Bildpaaren. Im Retro-Vintage-Stil oder manchmal gar in Anmutung an barocke Malerei erscheinen die von ihrer originalen Polaroid SX-70 oder Polaroid SLR 680 Land Camera ausgespuckten und entwickelten Positive.